Was macht ihr alle so beruflich? Ich beschäftige mich gerade so viel mit dem Thema: Was mache ich im Sommer, nach dem Studium? Ich habe ehrlich gesagt zur Zeit keine Ahnung, wo ich in einem Jahr sein werde, was ich tun werde. Ich möchte gern einen Job, für den ich gern aufstehe morgens...Das wäre mein Traum. Also, was macht ihr so? Seid ihr glücklich mit eurem Job?
Wenn du denkst Hunde können nicht zählen, dann steck 3 Leckerchen in Deine Tasche und gib Deinem Hund nur zwei davon... Phil Pastoret Tam dii, dai dii. Tam chua, dai chua ** Tue Gutes, erfahre Gutes ; tue Böses, erfahre Böses.
Ich habe eigentlich mal Theologie und vergleichende Religionswissenschaften angefangen und dann Journalistik in Santiago studiert, wollte dann an die Uni in Madrid und nahm einen Aushilfsjob bei einer Airline (Iberia) an - und die wollten mich gerne behalten! Also lernte ich dort von der Pieke auf, wo jeder in der Branche (am Boden) abnfängt - Reservierungen, Ticketsystem, Tarifberechnung ... damals alles noch ohne Computer ... dann war ich am Airport und kam übers Check-In über zig Kurse zum Dispatcher bzw Flugdienstberaterund in der Eigenschaft arbeitete ich dann als Springer an den südamerikanischen Flughäfen, die damals unsere DC10 anflog. Da Spanisch quasi meine zweite Muttersprache ist und auch fliessend Englisch und Portugiesisch sowie ganz gut Französisch und Italienisch konnte, war ich da vor anderen Kollegen damals im Vorteil. Dann änderte sich aber die Firmenpolitik und es sollten nur noch Männer an diese Positionen (Macho-Firma) und ich kündigte - und bekam dann ein Angebot eines Reiseveranstalters als Reiseleiterin - da fängt man denn auch ganz klein an, aber auf Grund meiner Ausbildung war ich dann Verantwortliche für die Abflugkontrolle in den jeweiligen Zielgebieten - das heisst: Die Reiseleiter mussten mir die jeweiligen Passagierzahlen pro Hotel und Flug für die kommende Woche durchgeben, ich teilte die Transferbusse und die Abholzeiten ein und kontrollierte am Abflugtag dann jede Maschine beim Check-In, zählte Tickets, guckte ob jemand fehlte, buchte um usw usw und wartete dann beim Operator der jeweiligen Airline, bis die Maschine aus dem Radarbereich des Airports heraus war (Point of no Return) und wir beruhigt sein konnten, dass der Vogel warum auch immer nicht zurückkommt. Manchmal ein ruhiger Job wie auf Ibiza oder in Dubrovnik, manchmal unendlich chaotisch wie in Tokio, als wegen Kriegsgefahr das Drehkreuz aller Flüge von Bangkok nach Tokio verlegt wurde und man nie mehr als 4 Stunden schlief .. aber spannend war es.
Dann wollte ich aber was anderes machen und liess mich aufs Schiff versetzen - Traumschiffmässig war ich auf einem der schönsten Schiffe der damaligen Zeit über 2 Jahre unterwegs, nachdem ich mich auf wöchentlichen Kurzkreuzfahrten (Trümmerfahrten durch die Ägäis und das östl. Mittelmeer ab Athen zu allen möglichen Inseln, Kusadasi, Haifa, Zypern, Ägypten, Malta und sowas) bewährt hatte und ich zehre heute noch von diesen 3 Weltumrundungen a ca 84 Tagen .. das war unvergesslich ... Amazonas rauf und runter, um die grossen Kaps, in die Arktis .. durch die Südsee ... an Bord machte ich Bordradio und TV sowie die tägliche Schiffszeitung zusammen mit 2 Kollegen ... dann Studienreiseleiterin auf speziellen Touren durch Südamerika, etwas mehr als 1 Jahr USA und Kanada ... und irgendwann landete ich als Leiterin eines Hotels auf Fuerteventura und fing an, für einen Verlag Reisereportagen und Reiseführer zu schreiben und dann gings auf Festland auf einen einsamen Hof mit riesigen Hunden, Alpacas und der Liebe zum Landleben mit allerhand Viehzeug und Ackerbau. Bevor ich versandete, landete ich wieder in D, da meine Mutter erblindete und mich brauchte. Ich hatte einen tollen Job in der Presseabteilung bei zwei Bundesgartenschauen und baute mir mit zwei Freunden eine Firma für Messebau, Kongresse, Incentives und Events auf, da waren wir viel unterwegs ... Casablanca, Malmö, Madrid, Paris und schliesslich die Weltausstellung Sevilla, mit der wir nicht direkt zu tun hatten sondern für deren Aussteller wir Parallelveranstaltungen usw organisierten. Dann verunglückte mein Partner und wurde Schwerstpflegefall, ebenso meine Mama und ich blieb mit meiner Mama in meinem kleinen Paradies in Spanien und musste dann aber nach D, weil der Zustand meiner Mutter es erforderte, sie musste dann 3x pro woche an die Dialyse usw usw ... ich vermietete Pferdeboxen auf dem angemieteten Hof und lebte von der Schreiberei. Nach dem Tod von Mutter und Partner bin ich über Berlin dann in die Schweiz und leitete ein Büro für Incomintouren - also fpr Amis, die durch Europa reisen wollen, organisierte die Touren, Hoteleinkauf usw und zum Teil habe ich viele der Touren auch al Tourdirector begleitet. Danach - weil ich nur noch wenig laufen konnte nach einem Unfall, habe ich als leitende Redakteurin für 2 Onlinemagazine geschrieben, leider ging der Laden pleite. Jetzt werde ich im Mai 60 und bekomme dann eine Frührente, im Moment lebe ich zum Teil von Hartz IV und verdiene mir durch Schreiberei und Bastelei etwas dazu und hoffe, das ich das noch sehr lange kann :-)
Fazit: I was poor - I was rich: rich is better
Für mich war es immer leicht, mich auf neue Situationen einzustellen und von vorne anzufangen - da muss ich irgendwie Nomadenblut haben. Ich wollte immer viele Länder sehen und bin heilfroh, dass meine Jobs mir das in jungen Jahren erlaubt haben und zwar in einem Masse, das weit über das normale Touristenreiseerfahrungsspektrum hinausgeht. Ich hatte nie das bestreben, ein Nest zu bauen und zu brüten und ich würde es immer wieder genau so machen :-)